Punta Bianca. Ein abgelegenes Naturschutzgebiet von seltener Schön- und Rauheit. Die Perle der sizilianischen Strandabschnitte an der Südküste. Alles andere als ein touristischer Hotspot. Wer Ruhe sucht, findet sie hier.
Foto Nicolas Eyer
Der Strand von Punta Bianca ist ein verborgenes geologisches Wunder, wo weisse Kalksteinfelsen auf türkisfarbenes Mittelmeerwasser treffen. Wir haben diese rohe, leider nicht mehr unberührte Küstenlandschaft, am 11. Mai 2026 um 17.45 Uhr erreicht. Auf diesen Moment haben wir uns lange gefreut.
Die Anfahrt von unserer Unterkunft in Agrigento dauerte ca. 45 Minuten (23 Kilometer) und verlief unproblematisch. Vereinzelte Schlaglöcher auf der ungepflasterten, holprigen Landstrasse meisterte unser Mietauto, ein Opel Crossland, gut.
Wir parkierten auf dem ersten Parkplatz. Von dort aus dauerte der Abstieg hinunter zur Punta Bianca eine knappe Viertelstunde. Unten angekommen waren wir von diesem einzigartigen Szenario beeindruckt. Wir hatten den von schneeweissen Mergelbänken geprägten Strand praktisch für uns allein.
Während des Zweiten Weltkriegs diente dieses Küstengebiet als strategischer Beobachtungspunkt für die italienischen Streitkräfte. Befestigt mit versteckten Bunkern, die in der umliegenden Landschaft noch teilweise sichtbar sind. Und einem ungedeckten Haus mit mysteriösem Charme, das phantastisch in dieses raue mediterrane Szenario passt.
Die weissen Kalksteinfelsen bestehen aus alten Meeressedimenten, die über Millionen Jahre zurückreichen, was sie zu einem lebendigen geologischen Geschichtsbuch macht. Lokale Meeresbiologen haben über 37 einzigartige Meeresarten im Unterwasser-Ökosystem in der Nähe des Strandes dokumentiert. Darunter seltene Mittelmeerschnecken. Punta Bianca ist ein wahres Eldorado für Taucher und Harpunenfischer.
Das Gebiet von Punta Bianca - Monte Grande liegt inmitten eines imposanten Naturgebiets von unvergleichlicher Schönheit. Besonders faszinierend ist die typische mediterrane Vegetation mit Ferulas, Minze, wilder Salvia und - zu unserem Erstaunen - Iris, Zwergpalmen und Lensiscus. Hier machen die Zugvögel Halt, wenn sie im Frühjahr aus dem Winterquartier in Afrika an die Südküste Siziliens zurückfinden.
Das Punta Bianca- und Monte Grande-Vorgebirge liegt im zentralen Bereich der Südküste Siziliens und ist die östliche Grenze des Golfs von Agrigento, dessen Westgrenze Punta Grande ist. Es ist nur wenige Kilometer vom Tal der Tempel entfernt und markiert die Grenze zwischen dem Gebiet der Stadt Agrigento und dem von Palma di Montechiaro.
Aus der Ferne sieht Punta Bianca aus wie ein grosser Sporn aus Kalksteingestein in Form des Bugs eines Schiffes, das herausragt und zum Afrikanischen Meer neigt.
Von der Spitze des Monte Grande aus kann man eine herrliche Aussicht geniessen. Das Auge wandert auf einer Seite über San Leone, Agrigento, Punta Grande und Capo Rossello. Auf der anderen Seite zum Schloss Montechiarono, Palma di Montechiaro und der Punta Ciotta.
Punta Bianca ist nicht vergleichbar mit der ca. 30 km entfernten Scala dei Turchi. Wer dorthin geht, sucht und findet die natürliche Schön- und Rauheit einer beeindruckenden mediterranen Vegetation.
Foto Nicolas Eyer